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WiR für FrankfurtRheinMain

Die Projektpartner der Initiative Wissensregion FrankfurtRheinMain (WiR) im Dialog über Chancen, Herausforderungen und die Zukunft der Metropolregion.

Ihre Einschätzung: Wie ist es 2016 um die Wissensregion FrankfurtRheinMain bestellt?

Müller: Ganz klar: FrankfurtRheinMain ist eine starke Wirtschafts- und Wissensregion - zumal die internationalste in Deutschland. Uns drückt der Schuh sicher weit weniger als andere Regionen. Noch. Denn gerade durch die Wissensbilanz 2016 wird deutlich, dass wir uns nicht darauf verlassen können, den Status quo ohne weiteres Zutun zu halten. Die Dynamik hat in unserer Region an einigen Stellen nachgelassen und wir haben im Metropolregionenranking Plätze eingebüßt. Auch mit Blick auf die Kaufkraft liegt FrankfurtRheinMain aktuell hinter München und Stuttgart. Das heißt: Wir müssen unsere Stärken und Schwächen weiter bilanzieren und konsequent Maßnahmen ergreifen, die mehr Wettbewerbsfähigkeit und Prosperität garantieren.

Bender: Dabei dürfen die gewählten Lösungsansätze vor allem nicht an Landes- oder Gemeindegrenzen haltmachen. Wir sind alle "FrankfurtRheinMainer" und sollten jetzt und in Zukunft an einem Strang ziehen! Aus diesem Grund ist die 2008 begonnene Arbeit der Initiative Wissensregion so wichtig. Damals haben über 370 führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung die "Wissenserklärung" unterzeichnet und den Weg für eine gemeinsame Gesaltung und Profilierung der Wissensregion geebnet. Studien wie die Wissensbilanz generieren dafür die notwendigen Daten, geben Entscheidern wertvolle Hinweise. Und unser "Think Tank" bietet eine hochkompetente Arbeitsplattform, die sich mit den aktuellen Chacnen und Herausforderungen umsetzungsorientiert befasst.

Welche Themen bereiten uns momentan die meisten Kopfschmerzen?

Stüve: Die Anziehungskraft unserer Region ist ungebrochen und wir verspüren einen enormen Bevölkerungsdruck durch den stetigen Zuzug. Natürlich stellt uns in diesem Kontext auch die Flüchtlingsthematik vor eine große Herausforderung. Wir müssen jetzt kurzfristig eine Strategie zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in den Kernstädte wie im Umland entwickeln. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, die verkehrliche, digitale und vor allem soziale Infrastruktur gleich mitzubauen. Mit der regional verorteten Flächennutzungsplanung sowie unseren Aktivitäten rund um das Thema Wohnen haben wir jedoch die richtigen Instrumente zur Hand, um nicht nur Wohnraumversorgung positiv zu gestalten, sondern auch weitere attraktive Flächen für Industrie und Gewerbe zu schaffen. Daneben ist natürlich auch die Energiewende ein wichtiges Thema für unsere Wissensregion. Momentan geht es hier vor allem um den Ausbau der Erneuerbaren Energien, aber auch in Richtung Energiespeicherung und Elektromobilität gilt es weiterzudenken.

Müller: Als offene, internationale und multikulturelle Region, in der fast alle Nationalitäten der Welt zu Hause sind, haben wir die beste Ausgangslage zur Lösung der dringlichsten Aufgaben - das stimmt uns optimistisch. Integration findet hier erfolgreich statt. Wir verfügen über hervorragende Forschungseinrichtungen und Hochschulen und haben eine Vielzahl an leistungsstarken und innovativen Wirtschaftsbranchen zu bieten, die zudem händeringend auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften und Auszubildenden sind.

Stichwort Fachkräfte: Wie kriegen wir die, die wir brauchen? Und wie halten wir sie in der Region?

Bender: Die Zukunft der Wirtschaft ist digital. Dennoch ist und bleibt der Mensch der zentrale Know-how-Träger, auch in einer datengetriebenen Informationsgesellschaft. Wenn wir Fachkräfte und ihr Wissen binden wollen, müssen wir gleichermaßen an den harten und weichen Standortfaktoren arbeiten. Wohlstand und Wohlfühlen gehen in einer erfolgreichen Wissensregion Hand in Hand. Das beginnt bei der Willkommenskultur und betrifft ebenso eine gute Kinderbetreuung, attraktive Freizeitmöglichkeiten und natürlich den Bildungsbereich.

Müller: Gerade duale Ausbildungs- und Studiengänge bieten die Flexibilität, die es in einer dynamischen und digitalisierten Arbeitswelt braucht. In FrankfurtRheinMain haben wir hier noch Luft nach oben. Darüber hinaus stellt die Digitalisierung so oder so gänzlich neue Anforderungen an unsere gesamte Region. Wir müssen jetzt die Rahmenbedingungen für das zukünftige Gedeihen unserer Wirtschaft schaffen, damit Unternehmen ihre Innovationstätigkeit erhöhen und neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln können.

Welchen Zukunftsbeitrag kann die Initiative Wissensregion jetzt konkret leisten?

Stüve: Unser Think Tank erarbeitet derzeit ein Konzept mit Handlungsempfehlungen und Projektideen für eine "urbane Produktion" in FrankfurtRheinMain. Also für das Produzieren im städtischen Raum. Neue Technologien und digitalisierte Produktionsverfahren sowie kleinteiligere und störungsärmere Produktionsräume sollen dies möglich machen.

Bender: Das Konzept wird ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Industrie, aber auch der gesamten Metropolregion sein und die Arbeit der Initiative Wissensregion in den nächsten Jahren maßgeblich prägen. Die drei Projektpartner werden sich gemeinsam nachdrücklich für die Konzeptrealisierung und das Gewinnen von Mitstreitern einsetzen. "WiR" bedeutet eben viel mehr als die Abkürzung von Wissensregion.